Schlachten! Ehrliche Pädagogik?!

06.09.2013 08:15

         Schlachten und Fleischproduktion in Schulen als Ausdruck ehrlicher Pädagogik?

                                                                        

Schlachten und Fleischproduktion in Schulen als Ausdruck ehrlicher Pädagogik? In den Medien wird weithin über einen Trend

zur fleischfreien Ernährung, zum Vegetarismus und auch zum Veganismus berichtet. Bei verwirrend schwankenden Zahlen, scheint

die Anzahl der Vegetarier jedenfalls zu wachsen.

In der Pädagogik steht dem Trend zur fleischfreien Ernährung aber ein “Trend zur Ehrlichkeit” gegenüber, bei dem Kinder nach

der Eigendarstellung der Vertreter dieser Art von Pädagogik lernen sollen, woher ihr Fleisch komme. Vor zwei Jahren erzielte

in Deutschland die Schlachtung eines Kaninchens in der Gemeinschaftsschule Ratekau Schlagzeilen (siehe hier). Schülerproteste

gegen die Schlachtung wurden seitens der Lehrerschaft mit dem Argument zurück gewiesen, man könne schließlich auch keine

Unterschriften gegen eine Mathematikarbeit sammeln. Die Schlachtung von Tieren wird in dieser Lesart zu einer

Auseinandersetzung mit der Realität, für die Schüler sensibilisiert werden sollten, anstatt ihnen den Blick darauf zu verstellen,

woher ihr Fleisch nun einmal kommt, nämlich von vorher lebendigen Tieren.

Ein ganz ähnlicher Vorgang spielt sich gegenwärtig auch auf der Peasenhall Primary School in Suffolk in Großbritannien ab.

In dieser Schule werden drei Schweine gehalten und von den Kindern großgezogen, um sie im Anschluss zur Schlachtung

zu schicken. Auch hier geht es nach der pädagogischen Argumentation um eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Realität

der Fleischproduktion. Kinder sollen so mit den durch sie konsumierten Lebensmittel besser verbunden werden und auf diese Weise

einen besser informierten und stärker erlebnisbezogenen Zugang zur Thematik ihrer Ernährung gewinnen.

Mittlerweile haben diese Art von “Erlebnispädagogik” auch die Jäger für sich entdeckt. Hier möchte man durch eine Teilhabe von Kindern

und Jugendlichen an der Jagd – so heißt es – Kindern auf “ungezwungene Art den Wald und dessen Bewohner nahebringen”.

Es geht demnach auch um die Vermittlung von “Respekt vor den Mitgeschöpfen”, indem es Kindern ermöglicht wird, bei der Jagd anwesend

zu sein. Vom “Lernort Natur” wurde auf der Bildungsmesse didacta gesprochen.

Was ist aus veganer Sichtweise zu dieser Art der Pädagogik zu sagen? Ist es gerechtfertigt, dass sich Veganer und Tierschützer

gegen sie zur Wehr setzen?

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das erlebnisbasierte Lernen, welches mit Tierschlachtungen verbunden sein soll, sich nicht

auf das Erlebnis des betroffenen Tieres bezieht, sondern auf das Erleben der Zuschauer, die eine solche Schlachtung betrachten.

Dieses Erleben mag sich individuell stark unterscheiden, vom Thrill am Töten bis hin zu Mitleid und Empörung. Oftmals mögen es auch

gemischte Gefühle sein.

Ausgangspunkt von Nutztierhaltung und Schlachtungen in Schulen ist immer die Vermittlung einer asymetrischen Beziehung zwischen

Mensch und Tier, bei der dem Tier ein reiner Objektcharakter zugeschrieben wird. Gezeigt wird nicht vorwiegend eine Realität,

sondern  gelehrt wir vorwiegend eine Ethik, gemäß der der Mensch das Recht hat, Tiere für seine Zwecke zu töten.

Ist es nicht dennoch ehrlicher, Kindern das Töten zu zeigen, anstatt vor ihnen diese Realität zu verbergen? Um das Töten zu zeigen,

wäre ein Video aus einem Schlachthof eine angemessene und realistische Form. Analog werden auch Verbrechen gegen

Menschen in Schulen durchaus im Rahmen des Bildungsauftrages gezeigt, keineswegs aber selbst praktiziert.

Wenn Töten aber selbst praktiziert wird, ist – ganz anders als wenn Video-Material präsentiert wird – eine Distanzierung

von der Tötungshandlung nicht mehr möglich. Denn man könnte sie nicht verüben, wenn man sie nicht zuvor als legitim betrachten

und dies auch den Kindern vermitteln würde.

Einer Pädagogik, die in Schulen Tiere töten lässt, geht es insofern nicht vorwiegend um Information und Wissensvermittlung,

sondern es geht ihr um die frühe Vermittlung der Legitimität des Tötens von Tieren. In einer Zeit, in der Menschen sensitiver werden

gegenüber dem Leid der Tiere und in der fleischkritische Einstellungen zunehmen, ist diese Form der Pädagogik am ehesten als

ein Angriff gegen den vegetarischen und veganen Trend und als Abwehr-Versuch zu bewerten. Es geht einer in den Schulen Tiere

tötenden Pädagogik darum, den Trend zur Akzeptanz von Tierrechten und zu einer pflanzenbasierten Ernährung aufzuhalten,

indem bereits Kindern als der nächsten Erwachsenengeneration beigebracht wird, dass das Töten von Tieren ein natürlicher

Teil ihres Lebens und ihrer Ernährung sei.

Tiertötungen in Schulen haben nicht nur die betroffenen Tiere als direkte Opfer, sondern sie sind eine Strategie, um den Trend zur

fleischfreien Ernährung umzukehren und damit auch künftig weitere tierische Opfer, aber auch durch Umweltverschmutzung

und durch den Fleischkonsum in ihr Gesundheit geschädigte menschliche Opfer zu produzieren. Dass es einer solchen Pädagogik

um Ehrlichkeit geht, ist eine glatte Lüge. Dies sehen auch die zahlreichen Unterzeichner der mittlerweile ausgelieferten 

Online-Petition gegen die Schweinhaltung in der Peasenhall Primary School in Suffolk ebenso.


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